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Ihre Mutter Nina Simone kennt man, auch wegen ihr. Aber wer ist sie?

«Auch eine Revolutionäre»: Musikerin und Schauspielerin Simone. (Bild: Christopher Pledger (Eyevine))

«Wie fühlst du dich, retour in der Schweiz [sie war im Internat La Châtaigneraie in Founex] und nach deinem Auftritt am Montreux Jazz Festival?» – «Wow, es war ein Traum für mich – ich hatte ein Poster vom Konzert meiner Mutter von 1976 in Montreux, und ich hab mir immer vorgestellt, wie es wäre, wenn ich einmal hier singen dürfte ... Gestern Nacht ist dieser Traum wahr geworden, es war zauberhaft, weisst du. Es ist wie eine Wiederauferstehung, seit ich nach Europa gezogen bin. Dinge, die gut sind für mich, passieren in meinem Leben.» – «Fühlst du dich wohl im Haus deiner Mutter und in Frankreich [sie lebt seit drei Jahren in der Nähe von Marseille, wo ihre Mutter 2003 gestorben ist]?» – «Es gibt überall, wo man sich niederlässt, Schwierigkeiten – für alles Wundervolle im Leben zahlt man einen Preis. Also musst du rausfinden, ob es für dich wertvoll genug ist. Ich finde, ich gehöre nach Frankreich, ein Teil meiner Seele fühlt sich dort zu Hause. Ich schlafe jetzt dort, wo meine Mutter starb – ich musste meinen Frieden mit ihr finden, das ist mir gelungen durch Meditation. Und weil Zeit tatsächlich alle Wunden heilt.»

Lisa Simone ist eine amerikanische Sängerin und Broadway-Schauspielerin. Sie hatte eine schwierige Kindheit und Jugend, weil, vereinfacht gesagt, ihre Mutter Nina Simone – die Musikerin und Bürgerrechtlerin – die Gestaltung ihres Lebens und ihrer Laufbahn nicht dem Kindswohl anpasste. Lisa reiste etwa als kleines Mädchen mit an Auftritte der Mutter auf der ganzen Welt oder verbrachte Monate in der Obhut verschiedener Mitarbeiter, wenn Nina auf Tour war. Als Lisa zwölf war – zu dieser Zeit verlor Nina Simone «ein wenig den Bezug zur Realität» (Wikipedia) –, folgte sie ihrer Mutter zuerst nach Liberia, dann nach Senegal. Nächste Station auf Nina Simones Lebensweg war Lausanne, wo Lisa in ein Internat kam, das Claude Nobs empfohlen hatte. Mit dreizehn besuchte sie für ein paar Tage ihren Vater in Amerika, um ihm mitzuteilen, dass sie nicht zur Mutter zurückgehe. Mit achtzehn trat sie der amerikanischen Luftwaffe bei, zuerst war sie in Frankfurt stationiert, während des ersten Golfkriegs leistete sie Dienst im Irak, sie war beim Flugzeugunterhalt eingeteilt. Anschliessend begann sie als Musicaldarstellerin zu arbeiten (sie hatte in der Jugend in verschiedenen Schulen Gesang erlernt) und als Sängerin; sie hat zwei Alben veröffentlicht. Lisa Simone ist verheiratet, hat drei erwachsene Söhne und eine siebzehnjährige Tochter, die mit ihrem Mann in New York lebt. Dieses Gespräch fand statt vor ihrem Auftritt am Festival da Jazz in St. Moritz.

«In Amerika verschlechtert sich zurzeit das Verhältnis vieler Schwarzer zu den Weissen, vor allem zur Polizei – wie siehst du’s?» – «Diese Probleme waren immer da. Ich kenne mich aus mit der Mentalität von Uniformierten – mein Vater und seine Brüder waren Polizisten in New York, ich war elf Jahre im Militär ... Es gibt viele Leute, die ihre Privilegien missbrauchen. Andererseits ändern sich Dinge, und dann gibt es Aufruhr. Aber im ‹land of the free and home of the brave› [Land der Freien und Zuhause der Tapferen; Zeile aus der Nationalhymne Amerikas] ist noch viel zu tun. Meine Mutter wusste es, sie war eine Revolutionäre. Und es ist heute nicht sehr anders, und ich bin auch eine Revolutionäre. Aber ich will mich nicht nur für eine Rasse einsetzen – ‹All lives matter›, nicht bloss ‹Black lives matter› [«Schwarzes Leben zählt» ist eine aktuelle Bürgerrechtsbewegung]. Ich will mich nicht runterziehen lassen von Wut und Negativität, das bringt nichts ausser Schmerz, und Schmerz habe ich genug gehabt im Leben.»

«In jedem Interview, nehme ich an, wirst du auf deine Mutter angesprochen – ist das hart?» – «Nein, ich bin die Tochter von ..., du bist der Sohn von ... Wir alle sind Töchter und Söhne von ... Ich habe meiner Mutter auf ihrem Sterbebett gesagt: ‹Hab keine Angst, ich werde dafür sorgen, dass man dich nicht vergisst.› Ich war Mitproduzentin von ‹What Happened, Miss Simone?› [Filmbiografie von 2015]; ohne meinen Mann und mich gäbe es den Film nicht. Es hat zehn Jahre gedauert, das richtige Team zu finden, um die Geschichte so zu erzählen, wie wir sie sehen. Und ich hab mich und meine Karriere aufgegeben. Aber ich hab, verdammt noch mal, mein Versprechen gehalten. [«What Happened, Miss Simone?» war nominiert für einen Academy Award, einen Oscar, als bester Dokumentarfilm und erhielt verschiedene wichtige Auszeichnungen.] Und jetzt bin ich wieder auf meiner eigenen Reise – ich liebe es. Und hab’s verdient.»


Ihr liebstes Restaurant: Le Nilaja, 17, rue de la Forge Royale, Paris, Tel. +33 1 43 73 53 15

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