Es passiert einem selten als Vielflieger, dass man sein Ziel nicht genau verorten kann, nicht einmal weiss, wie man den Namen richtig ausspricht โ welcome to Kalispell. Doch man versteht das Unwissen als Auszeichnung. Als Vorgeschmack darauf, was einem widerfahren dรผrfte auf der Reise an die letzte Grenze. Oder in den amerikanischen Nordwesten immerhin, wo dieser noch wild ist. Beziehungsweise wild, aber chic, immerhin haben sich zahlreiche Berรผhmtheiten in der Gegend Dritt-, Viert- oder Fรผnftwohnsitze gekauft, und Wi-Fi-Verbindung sollโs auch geben.
ยซKaยทluhยทspelยป lautet die Aussprache des Namens der Stadt in Montana mit knapp 20 000 Einwohnern. Auch der dazugehรถrende Flughafen dรผrfte vielen Besuchern zuvor unbekannt gewesen sein โ er heisst Glacier Park International. Im viertgrรถssten Gliedstaat des Landes, gelegen an der Grenze zu Kanada und geringfรผgig grรถsser als Deutschland, leben rund 0,3 Prozent der amerikanischen Bevรถlkerung, rund eine Million Menschen bloss.
Die populรคrkulturelle Ausstrahlung des Mountain State ist hingegen ungleich stรคrker. Was wohl mit seiner Geschichte und den Ureinwohnern zusammenhรคngt: 13 Indianerstรคmme, heute native Americans genannt. Beziehungsweise den weissen Bisonjรคgern, Schรผrfern, Soldaten et cetera, die im 19.Jahrhundert das damalige Territorium unsicher machten beziehungsweise sicher, je nach Blickwinkel. 1862 begann der Goldrausch am Grasshopper Creek, 1876 kam es zur Schlacht am Little Bighorn, in der General Custers Truppen den Kรคmpfern der Hรคuptlinge Sitting Bull und Crazy Horse unterlagen.
Fussabdrรผcke wilder Krieger
Von den Fussabdrรผcken der wilden Krieger, Glรผcksritter, Cowboys und von deren Nachfolgern geht noch immer eine starke Anziehungskraft aus, vor allem Alpha-Mรคnner kรถnnen ihr kaum widerstehen. Kanye West, der Rapper-Superstar, kaufte sich unlรคngst zwei Ranches im Nachbarstaat Wyoming (eine verkaufte er vergangenes Jahr wieder). Ob eine Farm im bei Kalispell gelegenen Whitefish Tom Cruise gehรถrt, wie Anwohner erzรคhlen, oder der dort nur Ferien machte, ist unklar; David Letterman, der Talkshow- Gastgeber, und Huey Lewis, ein Pop- Musiker, dagegen sind Gutshofbesitzer in Montana.
Die romantische Vorstellung vom harten, aber freien und sinnstiftenden Leben in den Wรคldern, Graslรคndern mit Bergseen und -bรคchen plus was sonst noch zu the great outdoors zรคhlt, teilen nicht bloss Prominente und Milliardรคre. Joe Sixpack, Herr Jedermann, lรคsst sich mittels TV an die Sehnsuchtsorte versetzen โ ยซYellowstoneยป etwa, eine Serie mit Kevin Costner รผber die erfundene Familie Dutton und deren riesige Ranch. Vorletztes Jahr erzielte sie die besten Einschaltquoten aller Kabelsender in Amerika (diesen Sommer begannen die Dreharbeiten fรผr season 5 in der Nรคhe von Kalispell). Ein Erfolg kommt selten allein, es darf von einer Neowesternwelle geschrieben werden.
ยซBig Sky Countryยป steht auf den Kontrollschildern der Autos โ das bevorzugte Fahrzeug ist der Pick-up- Truck F-150 von Ford โ, und dieser Reklamespruch ist nicht gelogen. Von dem grossen Himmel abgesehen sowie der Weite im Allgemeinen erinnert das hoch gelegene Flathead County (1000 Meter รผber Meer) an Tรคler Graubรผndens, einzig der schรถnen Landschaft wegen muss der Schweizer also nicht 8000 Flugkilometer und die damit verbundene Scham erdulden.
Die Landschaft kรถnnte an Bรผndner Tรคler erinnern โ wenn der Himmel in Montana nicht einiges weiter wรคre.
Nach 90 Minuten Fahrt, die letzten 10 รผber eine dirt road, staubige Schotterstrasse, erreicht man das Haupthaus der Ranch meines Gastgebers. Die Nachbarsfarm befinde sich ein paar Meilen sรผdlich (oder nรถrdlich; ich bin nicht geรผbt im Umgang mit Himmelsrichtungen), das Cafรฉ / der Laden sei ungefรคhr gleich weit weg oder, prรคziser ausgedrรผckt fรผr hiesige Verhรคltnisse: gleich nahe, allerdings nach Norden (oder Sรผden). Radioempfang gebe es keinen, was mir schon im Truck aufgefallen ist, als am Swan Lake plรถtzlich die Country-Musik aufhรถrte zu spielen. Das Mobilnetz sei in Ordnung, einzig das WLAN funktioniere zurzeit nicht richtig.
Die Ranch sei sein Lieblingsflecken, sagt mein Gastgeber, seit er diese vor wenigen Jahren kaufte. Was einem Ritterschlag entsprรคche, falls man Orte adeln kรถnnte: Er hat รผber ein halbes Dutzend Wohnsitze in Europa, Grossbritannien und Amerika, inklusive eines beach house in den Hamptons und eines Penthouse-Apartments in Sรผdflorida. Der genaue Grund fรผr die Liebesgeschichte mit der Ranch ist unklar, der Mann โ Ende sechzig, wirtschaftlich unabhรคngig nach einem Berufsleben voller grosser Geld- und Immobiliengeschรคfte in Frankfurt, New York und Zรผrich โ ist der Gegenentwurf zu Buffalo Bill, ginge nicht einmal als Gentleman-Farmer durch.
ยซDer Schatz im Silberseeยป
Lehnstuhlpsychologisch betrachtet, kรถnnte es damit zu tun haben, dass er sich den Traum erfรผllt, dem er als Heranwachsender in Wirtschaftswunderdeutschland nachhing, wenn ยซBonanzaยป oder ยซDer Schatz im Silberseeยป im Fernsehen gezeigt wurden (letztgenannter Streifen, eine Karl-May-Verfilmung, war allerdings in der Bundesrepublik sowie im damaligen Jugoslawien gedreht worden). Egal, er liebt die Gegend und was man dort erleben kann. Und ist damit kein Einzelfall: An jeder Dinnerparty, auf der er davon erzรคhle, kรถnnten Zuhรถrer sowie, erstaunlicherweise, Zuhรถrerinnen nicht genug von der Story bekommen, sagt er.
Das big house ist genau das: big. Man kรถnnte Tennis darin spielen. Der Vorbesitzer hatte einen Esstisch fรผr 32 Gรคste, der jetzige hat einen aufgehรผbschten alten Planwagen hineingestellt sowie eine Menge weiterer Western-Americana-Antiquitรคten, untermรถbliert ist der Salon immer noch. Besucher bewohnen nicht ein Zimmer, sondern einen Hausteil. Nachdem ich diesen bezogen habe, fragt mich der Hausherr: ยซSchiesst du?ยป und zeigt auf die ground squirrels, von denen vor den Fenstern eine Menge zu sehen sind. Er meint das ernst, fรผrchte ich, doch weshalb sollte ich putzige Pelztiere, die an kleine Murmeltiere erinnern, tรถten? Sie seien eine Plage, sagt er, untergrรผben sein Haus, nagten alles an.
Bald hรถre ich ein paar trockene Knalle, kurze Zeit spรคter ein sattes, lautes Peng: Mein Freund schoss mit seinem Luftgewehr mit Knicklauf wenigstens ein ground squirrel an, dieses schaffte es weidwund noch ums halbe Haus, wo es heftig zuckend liegen blieb. Worauf der Schรผtze waffenstรคrkemรคssig upgradete und dem Tierchen mit einer Pistole aus nรคchster Nรคhe den Gnadenschuss verpasste. Das Ergebnis ist kein schรถnes Bild, unmittelbar neben dem Vorbau zudem, auf dem man sitzen, den Blick รผber den Flathead National Forest sowie die Berge dahinter, Auslรคufer der Rocky Mountains, schweifen lassen und Bier trinken mรถchte.
Das wahre Wesen der Natur: Sie ist ein Ort, an dem es immer um Leben und Tod geht. Das ist keine Belehrung von mir, sondern der Kern der Aussage von Felix Salten, Autor von ยซBambi. Eine Lebensgeschichte aus dem Waldeยป, die er 1922 verรถffentlichte (Salten war Jรคger, doch der Roman wurde von den Nationalsozialisten verboten, da die Zensierer darin einen Vergleich mit der Behandlung der Juden in Europa erkannten). Nach dem Disney-treatment wurde die Geschichte zum Klassiker sowie zum liebsten Film von Walt himself, plus zu einem der bestgemochten Filme aller Zeiten beim breiten Publikum.
Das Buch ist noch dรผsterer als die lose darauf fussende Zeichentrickfilm-Kinofassung, die auch nicht ohne ist: Die namenlose Mami von Bambi โ dieser ist kein Rehbock, รผbrigens, weil solche nicht vorkommen in Amerika, sondern ein Weisswedelhirschkalb โ wird von Jรคgern abgeknallt. Spรคter, halbwรผchsig, verteidigt Bambi eine junge Hirschkuh gegen einen anderen Hirsch, rettet sie vor einer Jadghundemeute und schliesslich aus dem brennenden Wald. Nach allen Anstrengungen rรผckt er seinem absentee-Vater โ dem Platzhirsch mit prachtvollem Geweih, doch meist entfernt auf einem Felsvorsprung thronend, und mit existenzialistischer Haltung (ยซdeine Mami ist tot, zeig Stรคrke, du bist alleinยป) โ nach. Und also weg von Hirschfrau sowie Nachkommen. Worauf sich die Geschichte wiederholt. Stephen King bezeichnete ยซBambiยป als ersten Horrorstreifen, den er sah.
Zwei Longhorns, eine Corvette
Auch im Sommer wird es schon frรผhabends kรผhl in Montana, doch es bleibt lange hell, und die Umgebung prรคsentiert sich gestochen scharf im Licht der untergehenden Sonne, Smog gibt es keinen, Luftverschmutzung ebenfalls nicht; Weisswedelhirschkรผhe und ihre Kรคlber treten gar nicht scheu aus dem Wald, der fast bis ans big house reicht (ยซBambiยป war in jeder Hinsicht der passende Lesestoff zur Vorbereitung auf die Reise).
Mein Gastgeber erwartet einen Rinderzรผchter. Er soll zwei Longhorns auf seine Weide fรผhren, damit diese sie abgrasen kรถnnen. Eine vintage Corvette fรคhrt vor โ ein merkwรผrdiges Fahrzeug zum Befรถrdern von Hausrindern, deren Hรถrner eine Spanne von mehr als zwei Metern umfassen kรถnnen. Ein Mann steigt aus dem Sportwagen, Baujahr 1974, ein Bier-Sixpack unter dem Arm, ยซChange of planยป, Planรคnderung, sagt er, Geselligkeit statt Tiertransport nรคmlich. Und fragt: ยซWas soll das mit dem ground squirrel neben der Veranda?ยป Ein ungelรถstes Entsorgungsproblem, antwortet der Hausherr. ยซWhat?ยป, erwidert der Einheimische, packt den Kadaver und wirft ihn im hohen Bogen in den Wald, ยซProblem gelรถst, Montana-Style.ยป
Im big house kรถnnte man Tennis spielen. Der Vorbesitzer hatte einen Esstisch
fรผr 32 Gรคste, der jetzige hat einen aufgehรผbschten alten Planwagen hineingestellt.
Frรผh am folgenden Tag ruft mein Freund an. ยซDraussen ist ein Bรคr, komm schnellยป, flรผstert er ins Telefon. Als ich die andere Seite des Hauses erreiche, sehe ich ein dunkles, unaufgeregt hin- und herwiegendes Fellhinterteil an der Garage vorbeigehen โ ยซPassgangยป nennt man das, Bรคren sind Sohlengรคnger โ, als das Tier die Bรคume erreicht, biegt es links ab, so dass man es in voller Grรถsse erkennen kann: ein Amerikanischer Schwarzbรคr, den Kopf mit der spitz zulaufenden hellbraunen Schnauze nur Zentimeter รผber dem Boden haltend. Vielleicht hofft er, weitere, offenbar fรผr ihn erlegte ground squirrels zum Frรผhstรผck aufzuspรผren, obwohl bei Wikipedia steht, Bรคren in freier Wildbahn seien dรคmmerungsaktiv.
Mehr Bรคren-Trivia: ยซMit einer Kopf-Rumpf-Lรคnge von 1,5 bis 1,8 Metern, einer Schulterhรถhe bis zu 91 Zentimetern und einem Gewicht von durchschnittlich 100 Kilogramm ist der Ursus americanus deutlich kleiner und leichter als der Grizzlyยป (Quelle: Wikipedia). Ich muss den Gastgeber wohl anweisen, mich erst wieder zu stรถren, wenn er einen richtigen Bรคren sichtet. Was nicht ausgeschlossen ist โ es gibt rund einen je Quadratkilometer im Staate Montana, also zirka 381 000. Angriffe von Schwarzbรคren auf Menschen, nebenbei erwรคhnt, sind selten, solche, die fรผr Menschen tรถdlich ausgehen, noch seltener (23 erfasste Fรคlle zwischen 1900 und 1980); in dieser Zeit verloren doppelt so viele Leute ihr Leben nach Zusammentreffen mit Grizzlys, obwohl deren Bestand viel niedriger ist, bloss etwa zehn Prozent der Bรคrengesamtpopulation.
ยซMeine Ranch, meine Regelnยป
Fรผr den Nachmittag ist die Begehung eines parcels, Teils, der Ranch vorgesehen, wegen der geplanten Rodung des Unterholzes. Mein Gastgeber steckt eine Pistole ins Holster an seinem Gรผrtel; die Waffengesetze im knallroten Staat Montana โ Siege fรผr die Republikaner bei den Prรคsidentschaftswahlen seit 1996 โ gehรถren zu den freizรผgigsten des Landes. Ich teile ihm ungefragt mit, ein Laie mit Knarre scheine mir wenigstens so gefรคhrlich wie eine allfรคllige Bรคrenbegegnung. Er entgegnet, es handle sich um eine antike Waffe, gekauft in einem รถrtlichen Pfandleihhaus. Weshalb mich das beruhigen soll, verstehe ich nicht, hingegen die unterliegende Botschaft: ยซMeine Ranch, meine Regeln.ยป
Im Holster des Fรถrsters, der uns begleitet, steckt eine Dose bear repellent, ein starker Pfefferspray. Ich frage, ob er denn oft Bรคren begegne. Vielleicht dreimal jรคhrlich, antwortet er; Bรคrenspray habe er bisher selten eingesetzt, dieser sei aber hilfreich. Worauf der Gastgeber mir eine Dose davon รผberreicht und sagt: ยซKรผrzlich haben sie einen Grizzly obduziert โ und in seinem Bauch einen Touristen gefunden, mit bear spray in der Hand.ยป Der Fรถrster fรคhrt nicht den bevorzugten Truck, sondern einen Toyota mit Platz fรผr lediglich zwei in der Kabine. Weshalb ich mit der Ladeflรคche vorliebnehmen muss, wie es sonst Wanderarbeiter tun. Davon abgesehen: keine besonderen Vorkommnisse.
Fรผr den nรคchsten Morgen sind wir zum Reiten verabredet. ยซTrรคgst du keinen Helm?ยป, fragt der einladende Ruhestรคndler-Rancher mit eigenen Pferden sowie Erstwohnsitz in Florida meinen Freund, als der einen geflochtenen Hut aufsetzt. Die Antwort lautet, offensichtlich, nein, aber, hey, itโs a free country. Nach wenigen hundert Metern, die wir im Schritttempo auf einer Strasse zurรผcklegten, hebt eine Bรถ den erwรคhnten Hut vom Kopf des Reiters, dieser versucht, ihn mit der Hand zu halten, was das Pferd wohl als Kommando versteht, in Trab oder Galopp zu fallen. Worauf der Mann vom Rรผcken des Rosses fรคllt und im Staub liegen bleibt. Er blutet am Kopf, atmet schwer, hat Schmerzen in der Brust.
Der Notfalldienst im Swan River Valley, mehrheitlich besetzt durch Freiwillige, klappt. Nach 15 Minuten liegt mein Freund in einem Krankenwagen, nach 45 im Rettungshelikopter, nach 90 auf der Intensivstation des Regionalspitals. Freundliche รrzte kommen und gehen, ein netter Pharmakologe folgt auf einen hรถflichen Radiologiefachmann und so weiter. Der Befund: gebrochene Rippen, leicht kollabierte Lunge, geringfรผgige รคusserliche Verletzungen. Ein Mediziner sagt: ยซDie gute Nachricht ist, die meisten Patienten, die vom Pferd gefallen sind, sehen schlechter aus.ยป Besonders wenn das Pferd auf sie getreten sei, was gern passiere, da sich Reiter oft in den Zรผgeln verhedderten. Und ยซOh, bevor wirโs vergessen: zwei Tage Spitalaufenthalt, mindestens, und zwei Wochen Flugverbot.ยป
Privatjet-Cowboys
Auch Nachrichten reisen rasch im Valley. Einheimische, mit denen ich zu tun habe, kennen die Geschichte bereits. Sie sind freundnachbarlich-hilfsbereit, laden zum Steak-Essen zu sich ein, fragen, ob ich sonst was brauche. Und versichern, dass sie sich um meinen Freund kรผmmern wรผrden nach dessen Entlassung. Dennoch dรผnktโs mich, ihr Mitgefรผhl halte sich in Grenzen. Was nachvollziehbar ist, wenn man darรผber nachdenkt.
Ein local erzรคhlt von seiner Kundschaft: viele Wall-Street-Typen, auch solche, die recht indifferent seien gegenรผber der einheimischen Bevรถlkerung und
ihren Kenntnissen.
Ein local, von Beruf Verwalter von รผber vierzig die meiste Zeit leerstehenden Ranches โ ยซkalte Bettenยป wรผrde man in Graubรผnden sagen โ, erzรคhlt von seiner Kundschaft: viele New Yorker, Wall-Street-Typen, unter ihnen nette Kerle, aber auch solche, die recht indifferent seien gegenรผber der einheimischen Bevรถlkerung und ihren Kenntnissen, Erfahrungen vom Leben in der Wildnis. Was man als รberheblichkeit oder Anmassung verstehen kรถnne. ยซEs macht aus dir noch keinen Cowboy, wenn du deinen feinen 3000-Dollar-Anzug gegen Jeans, Westernhemd und Stiefel tauschst, sobald du im Privatjet fรผrs Wochenende gelandet bistยป, sagt er.
An einem Nachmittag fรคhrt ein Ford-Truck, Modell ยซKing Ranchยป, mit Doppelkabine und Bรผffelleder-Interior, vor das big house, in dem ich mich jetzt allein aufhalte. Es ist der Pferdehalter, er mรถchte sein Kleinkalibergewehr, das er meinem Gastgeber geliehen hat, zurรผck. ยซWeil der es ja vorlรคufig nicht braucht. Und du auch nicht, hรถre ichยป, sagt er. Da hat er recht, zweimal sogar. Montana ist zwar ein sogenannter Stand-your-ground-Staat, das heisst, Bewohner dรผrfen zuerst auf Eindringlinge, die ihr Land betreten, schiessen, sollten sie sich bedroht fรผhlen. Und anschliessend fragen, was sie wollten (falls sie noch leben). Dennoch habe ich meinem Freund vor seinem Sturz gesagt, ich wรผrde mich sicherer fรผhlen ohne Waffen im Haus. Worauf er, der Deutsche, mir, dem Schweizer, entgegnete: ยซDu denkst sehr europรคisch.ยป
Ich fรผhre den Pferdehalter in den Salon, wo sein Gewehr auf dem Fussboden neben der Couch liegt. Er kniet nieder, hebt es vorsichtig auf, schรผttelt den Kopf und sagt: ยซDie Waffe ist geladen und gespannt, ganz schรถn unvorsichtig.ยป
Generator im Bรคrengebiet
Am frรผhen Abend ziehen schwarze Wolken herauf, Windstรถsse rรผtteln an den Holzbalken des Vorbaus, Berge und Bรคume, gerade noch golden im Licht der tiefstehenden Sonne, wirken jรคh dunkel und abweisend. Blitze zucken รผber den Gipfeln, Donner grollt. Zwei Weisswedelhirsche rennen vor dem Haus auf und ab โob der Sturm sie erfreut oder erschreckt, ist schwer zu sagen, trotz aufgefrischten Bambi-Kenntnissen. Plรถtzlich gehen alle Lichter aus, die Internetradiostation verstummt, man hรถrt nur noch den Starkregen aufs Dach trommeln. Eine Stunde spรคter, das Gewitter hat inzwischen ein wenig nachgelassen, ist es stockfinster draussen und im big house. Ich schreibe dem Verwalter eine Nachricht, er antwortet umgehend: ยซStromausfall im ganzen Tal, mach dir keine Sorgen.ยป Und kurze Zeit spรคter: ยซDie Ranch hat einen Generator, du solltest keine Probleme haben.ยป
Ich rufe ihn an โ mein Mobiltelefon-Akku steht bei 48 Prozent โ und erfahre, dass sich der Generator hinter der Garage befindet, wo wir den Bรคren sichteten. Laut rufend (man soll Bรคren nicht รผberraschen) renne ich durch die Nacht und den Niederschlag, um zu prรผfen, ob der Generator lรคuft (tut er). Der Notstrom sollte unter anderem die Gefriertruhe versorgen (tut er nicht). Der Verwalter sagt: ยซWell, dann ist Joe ein Fehler unterlaufen.ยป โ ยซWer ist Joe?ยป, frage ich, obwohl das im Grunde unerheblich ist. Joe ist der Hauswart, lerne ich, und dass der Verwalter von Anfang an gesagt habe, man hรคtte einen Elektriker beauftragen sollen mit der Verkabelung. Das letzte Mal, รผbrigens, habe es vier Tage gedauert, bis es wieder Strom gegeben habe (mein neuer Mobiltelefon-Akku-Stand: 42 Prozent).
Morgens um vier Uhr, ich konnte kurz vorher einschlafen, denke ich, geht das Licht wieder an im ganzen Haus. Der Sturm hat sich gelegt, der Regen aufgehรถrt, nachdem ich alle Lichter gelรถscht habe, sehe ich die Mondsichel und viele, viele Sterne am Himmel.
Um neun holt mich der Fahrer ab wie verabredet. Er sagt tatsรคchlich ยซHowdyยป, erkundigt sich, ob ich eine grossartige Zeit verbracht habe im Valley, und teilt mit, dass er in der Kirche aktiv sei. Vor dem Flughafen Glacier Park International von Kalispell (ยซKaยทluhยทspelยป) sagt er, es tue ihm leid, mich abreisen zu sehen. Mir weniger, denke ich.
Drei Wochen spรคter erreiche ich meinen Freund und Gastgeber in London. Es gehe ihm wieder gut, sagt er. Er werde vermutlich keine bleibenden Schรคden davontragen, ausser einer Pferde-Phobie. Und freue sich schon auf den nรคchsten Aufenthalt im Wilden Westen. Seine Liebe, so siehtโs aus, reicht bis zum grossen Himmel.
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