Juni 2022
Publikation: NZZ am Sonntag Magazin
Vor der Art Basel ist nach der Art Basel
Die wichtigste Kunstmesse der Welt ist angeschlagen. Wegen schlechter Unternehmensfรผhrung. Aber auch weil grosse Galeristen sie nicht mehr brauchen โ€“ sie empfangen Sammmler lieber in eigenen Museen.
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Bild: Kunstmessen enden, wenn die Publikumstage beginnen (fรผr mittelalte Mรคnner, Milliardรคre, Maden in Sportschuhen jedenfalls).

Schlange stehen bereitet bloss wenigen Menschen Freude. Ausser an der Art Basel. Genauer gesagt am ersten Tag, kurz bevor die wichtigste Kunstmesse der Welt losgeht. Dann ist es glanzvoll, sich um elf Uhr morgens in die Menge der Wartenden vor den von Herzog & de Meuron aufgehรผbschten Hallen einzureihen โ€“ so nahe kommt man so vielen Mรคnnern mit riesengrossen Vermรถgen und ebensolchen Egos sonst nicht. Und fรผr einmal darf man ein wenig Schadenfreude zulassen: Wann mรผssen Superreiche schon warten wie man selbst? Diese Eingangskontrolle hat etwas Demokratisches.

ยซSeht sie euch an! ... die Milliardรคre! Sie sehen aus wie Shopper fรผr den 40-Prozent- auf-allem-Schlussverkauf. Nein, weniger gut. Sie sehen รคlter aus, schmuddeliger, mehr รผbernรคchtigt. Sie tragen weitgeschnittene Jeans, zu grosse Polo-Shirts, lose รผber der Hose, um Platz zu schaffen fรผr ihre Bรคuche ... und dazu Turnschuhe. Und wozu? Wahrscheinlich meinen sie, diese Teenager-Kicks machten sie jรผnger. Stimmt aber nicht, sie betonen ihre krummen Rรผcken und hรคngenden Schultern. Ein Hedge-Fund-Milliardรคr aus Connecticut? Ein Fabrikantenmilliardรคr von irgendwo? Alle diese alten Mรคnner auf einem Haufen drรคngelnd oder, treffender, herumkrabbelnd wie Maden auf einem Tierkadaver โ€“ und alles wegen der Aussicht auf die Schรคtze, die auf der anderen Seite der Glaswand liegen.ยป So beschrieb Tom Wolfe das Bild vor dem Konferenzzentrum, in dem die Art Basel Miami stattfindet, im Kapitel ยซDer Super Bowl der Kunstweltยป seines Buchs ยซBack to Bloodยป.

So ungefรคhr โ€“ minus den Hang zur รœbertreibung des verstorbenen amerikanischen Schriftstellers โ€“ wird es diesen Dienstag am Basler Messeplatz auch wieder aussehen (fast 300 Galerien/Aussteller, 60 000 Besucher vergangenes Jahr, 93 000 vor der Pandemie). Dienstag? Beginnt die Art Basel nicht am Donnerstag? Was fรผr eine unschuldige Frage โ€“ am Donnerstag ist die Messe vorbei,ย over, passรฉ, terminado. Fรผr mittelalte Mรคnner, Milliardรคre, Maden in Sportschuhen jedenfalls.

Dann beginnen die sogenannten Publikumstage, zuvor finden die Private Days statt, fรผr VIPs only. Nochmals Autor Wolfe: ยซKunstmessen enden fรผr die Wissenden und Dazugehรถrenden im Augenblick, in dem der erste Fuss des ersten ahnungsfreien Mitglieds des รถffentlichen Publikums den Hallenboden berรผhrt.ยป

Von nun an gingโ€™s bergab
Mรถglicherweise enden Kunstmessen bald noch frรผher, fรผr die wichtigen Sammler wenigstens โ€“ bevor sie รผberhaupt angefangen haben nรคmlich. Besonders wenn es sich dabei um die Art Basel handelt. Die Verkaufsausstellung in Basel war lange Zeit die Mutter aller Messen. Gegrรผndet 1970 von Ernst Beyeler und weiteren Galeristen โ€“ der Antrieb war, grosse Sammler ins kleine Basel zu holen โ€“, konnten die Verantwortlichen die Veranstaltung mit anfangs bloss lokaler Bedeutung zum, eben, Champions- League-Finale der Kunstwelt aufbauen. Beyeler, dessen Sammlung zum Teil in seiner Fondation in Riehen in einem von Renzo Piano entworfenen Museum dem Publikum offensteht, sagte mir vor fรผnfzehn Jahren (er war 86 damals), es sei natรผrlich grossartig, diese weltweite Ausstrahlung erreicht zu haben, ยซaber, mit Bescheidenheit, wir haben auch hart gearbeitet, diese kleine Messe so gross zu machenยป.

Er musste den Abstieg ยซseinerยป Art nicht mehr miterleben (Beyeler starb 2010); seit wann genau es bergab ging, ist schwer festzumachen. Natรผrlich hat die Pandemie beziehungsweise haben die Covid-19-bedingten Einschrรคnkungen das Businessmodell wรคhrend eines Jahres erheblich erschwert โ€“ 2020 fand die Basler Kunstmesse, wie die meisten anderen Grossanlรคsse irgendwo auf der Welt, nicht statt beziehungsweise bloss in sogenannten Online Viewing Rooms. Bereits lange davor hatten Fehlleistungen der Entscheider noch mehr zu schlechten Ergebnissen der MCH-Group beigetragen. Diese ist die Betreiberin der Art Basel, es handelt sich dabei um eine ร–ffentliche-Private-Partnerschaft, an der die Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Zรผrich sowie die Stadt Zรผrich bis vor rund zwei Jahren 49 Prozent des Kapitals hielten, aber die Stimmenmehrheit innehatten.

 

Hauser-&-Wirth-Museum vor Menorca, schlรคgt eine Messehalle irgendwie.

2018 musste die MCH eine Gewinnwarnung verรถffentlichen, es seien 14 Millionen Franken Verlust zu erwarten (es waren dann 18 Millionen). Plus Wertberichtigungen und Abschreibungen von 172 Millionen = 190 Millionen Franken minus. Dies mehrheitlich wegen der ยซVerkleinerungยป der Baselworld, einer ehemals grossen Uhren- und Schmuckmesse, die die MCH-Group ebenfalls betrieb, bis sie die bedeutendsten Aussteller gegen sich aufbrachte. ยซDie Messe Basel scheitert an der provinziellen Haltung der lokalen Politikยป, war ein Kommentar in der NZZ รผberschrieben, weiter stand dort, ยซzu selbstbewusst sah man in der MCH-Group weiterhin eine Geldmaschine fรผrs eigene Gewerbe.ยป

Murdoch kam, sah und investierte
Worauf es kam, wie es kommen musste. Das heisst, James Murdoch kam, sah und investierte. Ob er auch siegen wird? Es ist noch zu frรผh, das zu behaupten. Murdoch, ein amerikanischer Milliardรคr und Sohn des Medienunternehmers Rupert Murdoch, hรคlt zurzeit 30 Prozent der Anteile (er kann diese auf 49 Prozent erhรถhen); die รถffentlichrechtlichen Institutionen haben zusammen noch 33 Prozent. Im Augenblick geht es um frische Mittel, Murdoch beziehungsweise seine Lupa-Systems-Beteiligungsgesellschaft ist bereit, 34 Millionen Franken einzuschiessen, die Kantone plus die Stadt Zรผrich haben sich dazu noch nicht entschlossen. Vergangenes Jahr wurde der Chef der MCH-Group ersetzt, im Verwaltungsrat nahmen Murdoch sowie zwei seiner Leute Einsitz. Bis jetzt blieben Anleger davon unbeeindruckt โ€“ der Kurs der an der Zรผrcher Bรถrse gehandelten MCH-Aktien ist in den vergangenen fรผnf Jahren (als die Probleme mit der Baselworld begannen) von rund 68 auf derzeit 8 Franken gefallen (minus 88 Prozent; der Swiss-Performance-Index SPI stieg in dieser Zeit um 46 Prozent).

Murdoch braucht eineย idรฉe forte,ย einen grossen Wurf, um das Unternehmen zu drehen. Vielleicht hat er bereits eine: Er will ab diesem Herbst eine Art Basel Paris abhalten. Warum nicht? Die Marke ist stark und gut eingefรผhrt auf dem Planeten Kunst. Es finden bereits eine Art Basel Hongkong statt โ€“ in der Stadt gibtโ€™s seit einigen Jahren mehr Schwierigkeiten und weniger Freiheiten, das sind keine idealen Voraussetzungen โ€“ und wie gelesen eine Art Basel Miami, diese lรคuft, seit die Pandemie mehr oder weniger unter Kontrolle ist, wieder rund. Jetzt also noch eine Basler Messe in Paris, im Oktober, das ist sinnvoll. Paris, die europรคische Weltstadt mit dem voraussichtlich 2024 frisch renovierten, in altem Glanz erstrahlenden Grand Palais als Veranstaltungsort, hatte die lรคngste Zeit bloss eine eher provinziell daherkommende Kunstmesse, die Fiac.ย La capitaleย verdient etwas Grรถsseres, Besseres, eine Art Basel Paris eben.

Win-win-win? Fรผr Messebetreiber, Aussteller und Sammler mรถglicherweise. Kaum aber fรผr Basel, die Wirtschaft der drittgrรถssten Schweizer Stadt dรผrfte den Fall-out zu spรผren bekommen โ€“ zwei Art- Basel-Austragungen im gleichen Grossraum dรผrfte eine zu viel sein. Darum gute Nacht Basel, bonjour Paris vielleicht. Das heisst, Murdoch musste sich verpflichten, die Art Basel in Basel weiterzubetreiben, vorlรคufig wenigstens. Was er aber auch im kleineren, mรถglicherweise viel kleineren Rahmen tun dรผrfte, ohne vertragsbrรผchig zu werden (wie eine solche Messe aussehen kรถnnte, kann man etwa beim Besuch der Kunst Zรผrich in Oerlikon erleben).

Wer braucht hier wen?
Und ein Unglรผck kommt selten allein, sagt man. In den Jahren, in denen die Verantwortlichen der MCH-Group mit sich selbst beschรคftigt waren, fand unter grossen Galerien ein Upgrade statt, die besten betreiben nun ihr Geschรคft mit Kunstwerken so gekonnt, wie man es aus anderen Branchen lรคngst kennt. Das war nicht immer so. รœber den Kunstmarkt wird zwar viel berichtet, es handelt sich um ein Business mit Glanz und Ausstrahlung, doch er ist im Verhรคltnis klein und weniger bedeutend, als man meint โ€“ im vergangenen Jahr betrugen die weltweiten Umsรคtze 65 Milliarden Dollar (29 Prozent mehr als im Pandemiejahr 2020). 65 000 000 000 ist zwar eine Zahl mit vielen Nullen, entspricht aber bloss zwei Dritteln der Erlรถse von Apple beispielsweise โ€“ in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres (97 000 000 000 Dollar).

ยซMarktplatz der Ideenยป, die Financial Times รผber Hauser & Wirth (Kunstbauernhof in Somerset, England).

Die lรคngste Zeit gab es keine Galerien, die unternehmerisch, betriebswirtschaftlich, Prozesse-mรคssig et cetera vergleichbar waren mit den stรคrksten Unternehmen anderer Wirtschaftszweige. Doch das รคnderte sich in jรผngster Vergangenheit: Gagosian, Pace, zwei amerikanische Hรคuser, die britische White Cube sowie Hauser & Wirth bilden die Big Four, wenn man noch Zwirner, einen deutschen Galeristen in Amerika, dazurechnet, kommt man auf fรผnf Firmen, die fast so etwas darstellen wie Apple, Amazon, Netflix, Tesla, J. P. Morgan oder Roche in ihrer Industrie.

Suggestivfrage: Braucht Apple noch die Consumer Electronics Show CES in Las Vegas, die wichtigste Unterhaltungselektronik-Messe? Beziehungsweise braucht Hauser & Wirth, die ยซSwiss mega-galleryยป (ยซNew York Timesยป/NYT), irgendeine Kunstmesse โ€“ oder vielleicht doch eher andersrum?

In der ยซFinancial Timesยป wird Hauser & Wirth als ยซMarktplatz der Ideenยป beschrieben. Von einem solchen darf man mehr erwarten als einen, zugegebenermassen schicken, Stand in einer Messehalle โ€“ dieses Jahr zeigt H&W in Basel, nebenbei erwรคhnt, eine Spinne, genauer gesagt eine fast vier Meter hohe Spider-Plastik, ein Schlรผsselwerk von Louise Bourgeois.

Vergangenen Sommer รถffnete Iwan Wirth, der 52-jรคhrige Chef von Hauser & Wirth, die sechzehnte Niederlassung seiner Galerie, die er in den 1990er Jahren mit Ursula Hauser, der Schwester von Elektronikgerรคtehรคndler Walter Fust und seiner ersten Sammlerin, gegrรผndet hatte. Obwohl, ยซNiederlassungยป trifft es vielleicht nicht ganz. Er erรถffnete ein eigenes Museum, auf Menorca (in der Zwischenzeit kam eine weitere Galerie in Zรผrich, an der Bahnhofstrasse, dazu und spรคter in diesem Jahr wird eine Filiale in Paris aufgehen, ein Stadtpalais im schicken achten Arrondissement).

Inselkรถnig der Kรถnigsinsel

Das Hauser-&-Wirth-Museum liegt nicht auf Menorca, der ruhigsten der Baleareninseln. Sondern davor, auf der Isla del Rey, einem Felsen, der im Hafen der Hauptstadt Mahรณn, einer fjordartigen Bucht, aus dem azurblauen Wasser ragt. Darauf befindet sich ein seit Jahrzehnten ungenutztes Marinespital. Und seit neustem der vielleicht sehenswerteste Schauraum der Galerie mit vielen sehenswerten Schaurรคumen; diesen Sommer (19. Juni bis 13. November) wird die Ausstellung ยซSodadeยป von Rashid Johnson, einem amerikanischen Kรผnstler und Star im Stall von H&W, zu sehen sein.

Es wรคre untertrieben, dazu ยซweitab vom Schussยป zu sagen. Bis Palma, der Hauptstadt von Mallorca, sind es rund 160 Kilometer Luftlinie; Ibiza ist zirka 170 Seemeilen entfernt, nach Antibes oder Porto Cervo โ€“ oder wo immer superreiche Kunstkรคufer ihre Sommer verbringen โ€“ sindโ€™s 250 Seemeilen. Doch das ist kein Nachteil, im Gegenteil, darum geht es. Restaurants mit schlechtem Standort? Gibt es nicht, bloss welche mit schlechter Kรผche, sagt man. Und als Mega-Galerie sollte man nicht nur beste Kunst zeigen und verkaufen, das kรถnnen alle am obersten Ende des Markts. ยซHauser & Wirth dagegen handelt zunehmend mitย experiencesยปย (ยซNYTยป).

ยซGenius des Ortsยป: Iwan Wirth รผber seine Insel mit Museum (Bild: Sebastian Krawczyk).

Vergangenen Sommer liess ich mich auf das Erlebnis ein, die รœberfahrt von der Ferien- zur Kunstinsel dauert 15 Minuten, stรผndlich legen Boote an der Mole von Mahรณn ab. Der Bรผrgermeister lag wohl richtig, als er mir erzรคhlte, das H&W-Museum ziehe bereits neue Gรคste an, ยซdie richtigen Gรคsteยป: Nur etwa die Hรคlfte der Passagiere waren รผbliche Urlauber, Familien mit Kindern auf Entdeckungsreise im grossen Hafen. Die andere Hรคlfte stellten Mitglieder der sogenannten Art-Crowd, Bewohner der Kunstwelt, erkennbar an dicken Brillen und schicken Leinenhemden fรผr Mรคnner, weiten schwarzen Kleidern fรผr Frauen beziehungsweise merkwรผrdiger Mode fรผr genderfluide Menschen.

Auf der Insel befindet sich auch ein Restaurant von H&W, das ยซCantinaยป, wo man unter Olivenbรคumen essen kann, nachdem man sich an der Kunst sattgesehen hat. Der grรถsste Tisch blieb selbst fรผr Spanien lange leer, bis Iwan und Manuela Wirth, seine Frau, Co-Leiterin der Galerie sowie die Tochter von Ursula Hauser, Iwans Geschรคftspartnerin, sich am frรผhen Nachmittag daran setzten. Man kann dem Reporterglรผck sagen โ€“ Wirth ist ein netter Mensch, bloss kein sehr รถffentlicher. Seit er nicht mehr muss, gibt er kaum noch Interviews. Er muss schon lange nicht mehr, seine Galerie mit mehreren hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Amerika (New York, Los Angeles, Southampton), Grossbritannien (London, Somerset), Monaco oder China (Hongkong) reprรคsentiert 58 Kรผnstler und 36 Nachlรคsse (Stand 2021); die jรคhrlichen Umsรคtze dรผrften im ยซneunstelligen Bereich und darรผber liegenยป, stand im ยซHandelsblattยป.

ยซGeniess die Tomatenยป
Es sei nicht selbstverstรคndlich, dass das Museums-Vorhaben auf dem Felsen vor Menorca umgesetzt werden konnte, sagte mir Wirth (wir sind ein bisschen bekannt miteinander). Der Kunstbauernhof von Hauser und Wirth in Somerset habe Vertrauen geschaffen bei den Entscheidungstrรคgern. Vertrauen, dass ยซdas Ganze eine Herzensangelegenheit ist fรผr unsยป. Dann kam schon das Essen, hรถchste Zeit, das Interview, das keines war, zu beenden. Noch eine Frage: Muss sich das Museum rechnen? Wirths Antwort: ยซSchรถn, dich zu sehen, geniess die Insel, die Show โ€“ und die Tomaten.ยป Ausserordentlich feine Tomaten, รผbrigens, die es fรผr zwรถlf Euro zur Vorspeise gibt, sie kommen vom Cantina-Betreiber und Gentleman-Bauer Luis Anglรฉs. Andere Quelle, andere Antwort: ยซBetriebe wie das Fife Arms Hotel in Schottland, ein geplantes Pub fรผr Clubmitglieder in London oder die auf der Isla del Rey tragen mehr zu Kundenbindung und Markenbildung bei als zum Einkommenยป (Clayton Press, amerikanischer Sammler und Universitรคtsdozent, in der ยซNYTยป).

Wer sich an der Kunst sattgesehen hat, kehrt im hauseigenen Restaurant ein (Bild: Sebastian Krawczyk).

Wohingegen die Farm in Somerset, aus der die Wirths 2014 einen Kunstbauernhof machten und den dazugehรถrenden Ort auf die Landkarte der Art World setzten, wahrscheinlich Wirths Vermรถgen mehrt. Bisher fuhren eine dreiviertel Million Besucher hin, um die vom niederlรคndischen Land- schaftsarchitekten Piet Oudolf gestaltete Anlage und, natรผrlich, die wechselnden Kunstausstellungen zu erleben.

Die Investitionen auf der Insel des Kรถnigs: vier Millionen Euro. Im Gegenzug erhielt der Inselkรถnig, pardon: die Galerie, die Nutzungsrechte fรผr 15 Jahre (plus zehn Jahre Verlรคngerungsoption). Vier Millionen โ€“ ein รผberschaubarer Betrag fรผr jemanden wie die Wirths. Vor allem, wennโ€™s dafรผr neben Edeltomaten auch noch den ยซGenius des Ortsยป (Iwan Wirth) gratis dazu gibt. Es ist sehr denkbar, dass das Gesamtpaket die Kundschaft in Kauflaune versetzt.

Privatmuseum oder Messestand
Ob das, was man auf Kunstmessen erlebt, dabei mithalten kann? Mรถglicherweise nicht, denn ยซwir fahren die Messetรคtigkeit im laufenden Jahr um rund fรผnfzig Prozent herunterยป, sagt James Koch, Direktor und Partner von Hauser & Wirth. Die Galerie nimmt dann jรคhrlich noch an zirka zehn Veranstaltungen teil (neben den Art-Basel-Messen etwa an der Frieze in London und New York). Einer der Grรผnde, sagt Koch weiter, sei derย carbon footprint,ย die Umweltbelastung, verursacht durch die Anreise von Sammlern und Mitarbeitern sowie den Transport von Werken und so weiter. Weiterer Grund, natรผrlich: die Kosten. Von den Verantwortlichen der Art Basel zu erfahren, wie viel ein Stand wรคhrend der Messe genau kostet, ist schwierig (der Preis sei unterschiedlich je nach Grรถsse, Lage und weiteren Rahmenbedingungen, sagen sie).

Er habe die ยซHausnummerยป auch nicht abrufbar, sagt H&W-Direktor Koch. Wohingegen sich Urs Meile, Galerist in Luzern und Schanghai, an den wohl grรถssten Einzelausgabeposten seiner Firma erinnern kann: Die Anwesenheit mit einem zirka 60 m2 messenden Stand koste die mittelgrosse Galerie, die seinen Namen trรคgt, ungefรคhr 200 000 Franken. Setzen wir also den zweieinhalbfachen Betrag ein fรผr H&W (oder eine andere Supergalerie). Denn deren Stรคnde sind grรถsser, sie verschieben mehr Werke, haben hรถhere Auslagen fรผrย wining and diningย der Sammler und so weiter. So kommt man auf Kosten von vier Millionen Franken jรคhrlich (bei zehn Messeauftritten; die Art Basel in Basel dรผrfte am teuersten sein) โ€“ oder so viel wie das Privatmuseum auf der Isla del Rey kostete. Was ist verkaufsfรถrderlicher, nachhaltiger, sexyer? Oder, verknappt und schnรถde, was bringt mehr?

Bevor wir den Entwurf der Messe als ยซhat das Ende seines Lebenszyklus erreichtยป abschreiben, nochmal Urs Meile als Vertreter mittelgrosser Galeristen: Die Teilnahme rechne sich รผber alles, fรผr Firmen seiner Gewichtsklasse. ยซWenn ich eine Vernissage in Luzern veranstalte, kommen 200 Leute. Auf der Art Basel kann ich gegen 5000 am Stand begrรผssen.ยป (Plรคne fรผr ein eigenes Museum auf einer Insel im Mittelmeer oder einen Kunstbauernhof in einer sรผdenglischen Grafschaft hatte er bis zum Redaktionsschluss keine.) Und selbst James Koch von Hauser & Wirth erkennt fรผr ยซgut gemachte, richtig aufgestellte Messenยป eine Daseinsberechtigung, als ergรคnzende Plattform zum direkten Austausch mit Sammlern und Kunden, ยซwenn es auch eine teure Geschichte istยป.

Mรถglich somit, dass das Schlangestehen an der Art Basel vor der Erรถffnung der Private Days fรผr VIPs noch ein paarmal erduldet werden darf. Bloss mit weniger Milliardรคren, herumkrabbelnd wie Maden, vor der Eingangskontrolle. Die alten Mรคnner mit weitgeschnittenen Jeans, zu grossen Polo-Shirts und Turnschuhen segeln dann wohl gerade gemรผtlich auf Jachten zu den Privatmuseen der Supergaleristen. โ– 

 

Back to Reality (oder wenigstens an die Art Unlimited in den Basler Messehallen).
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